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Auf dem neusten Stand: Leitliniengerechte COPD-Behandlung

Im Frühjahr 2018 hat die Deutsche Atemwegsliga zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. und unter Beteiligung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie eine neue Leitlinie zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) veröffentlicht. Vor allem bei den Behandlungsempfehlungen hat sich im Vergleich zur Vorgängerversion eine Menge getan – speziell bei der medikamentösen Therapie. Leitlinien liefern den behandelnden Ärzten eine wertvolle und durch Studien abgesicherte Orientierungshilfe im Umgang mit Erkrankungen wie beispielsweise der COPD.

Basis der leitliniengerechten Behandlung mit Medikamenten

Auf dem neusten Stand: Leitliniengerechte COPD-Behandlung

Vor der Behandlung steht die Diagnose. Die genaue Klassifizierung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung erfolgt anhand verschiedener Fragestellungen: Wie eingeschränkt ist die Lungenfunktion, wie oft und wie heftig treten plötzliche Krankheitsverschlechterungen (Exazerbationen) auf und wie stark sind die Symptome, beispielsweise Atemnot?

Die Erkrankungsstadien auf Basis einer Lungenfunktionsmessung reichen von 1 bis 4 (leicht, mittel, schwer, sehr schwer). Hinzu kommt eine Beurteilung der Beschwerden und des Exazerbationsrisikos. Daraus ergibt sich dann die genaue Krankheitseinstufung, nach der sich die medikamentösen Therapieempfehlungen richten.

Stadium „1 A“ bezeichnet beispielsweise eine leichte COPD mit geringen Beschwerden und ohne Exazerbationen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen. Bei „4 D“ handelt es sich um eine sehr schwere COPD mit starken Beschwerden und mit mindestens 2 Verschlechterungen oder mindestens einer krankenhauspflichtigen Verschlechterung.

Zwei Arzneimittelgruppen bestimmen die medikamentöse Therapie

Die COPD-Behandlung mit Medikamenten basiert – vereinfacht gesagt – auf zwei Säulen: Die eine Arzneistoffgruppe erweitert die verengten Atemwege (Fachbegriff: Bronchodilatatoren), die andere wirkt antientzündlich. Innerhalb dieser Gruppen stehen mehrere Präparate mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zur Verfügung.

Bronchienerweiternde Medikamente zum Inhalieren

  1. Beta-2-Rezeptoragonisten
    • kurz wirksam (Abkürzung aus dem engl.: SABA)
    • lang wirksam (Abkürzung aus dem engl.: LABA)
  1. Muskarinrezeptorantagonisten (Anticholinergika)
    • kurz wirksam (Abkürzung aus dem engl.: SAMA)
    • lang wirksam (Abkürzung aus dem engl.: LAMA)

Antientzündliche Medikamente

  1. Glukokortikoide (Kortison) zum Inhalieren (Abkürzung: ICS)
  2. PDE-4-Hemmer (als Tablette)

Neben Einzelwirkstoffen gibt es verschiedene inhalative Kombinationspräparate (mehrere 2er- und 3er-Kombinationen), die die Behandlung vereinfachen.

Bronchienerweiterung als Basistherapie

Die aktuelle leitliniengerechte Arzneimitteltherapie bei COPD erlaubt eine weit individuellere Behandlung, weil sie neben der messbaren Atemflusseinschränkung vor allem die persönlichen Beschwerden und Risiken von plötzlichen Krankheitsverschlechterungen in den Vordergrund stellt.

Generell erfuhren die Bronchodilatatoren in der neuen Leitlinie eine Aufwertung. Ein bis zwei langwirksame bronchienerweiternde Medikamente (LABA und/oder LAMA) gehören daher heutzutage fest zur COPD-Basistherapie. Inhalative Glukokortikoide (ICS) werden immer in Verbindung mit ein oder zwei Substanzen zur Atemwegserweiterung verordnet (LABA und/oder LAMA). Kurzwirksame Substanzen zur Bronchienerweiterung (SABA/SAMA) kommen als Bedarfsbehandlung hinzu, gehören aber nicht zur Dauerbehandlung. Beim Einsatz von Kortisonpräparaten zum Inhalieren halten sich die Empfehlungen inzwischen mehr zurück als noch vor einigen Jahren. Kortison kommt hauptsächlich dann ins Spiel, wenn vermehrt plötzliche Krankheitsverschlechterungen auftreten, was vor allem bei schweren und sehr schweren Verläufen der Fall ist.

Chancen der nicht-medikamentösen Begleittherapie nutzen!

Keine Krankheitsbehandlung fußt allein auf Arzneimitteln – das gilt auch für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Zur Besserung beitragen können unter anderem eine Raucherentwöhnung, Rehabilitationsmaßnahmen und Lungensport.