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COPD-Forschung zu neuen Therapie-Ansätzen – Geduld ist gefragt

In der letzten Zeit gab es verschiedentlich Nachrichten, dass Forscher erfolgreich an neuen Therapie-Ansätzen gegen die Ursachen der COPD arbeiten. In dem ein oder anderen Artikel wurde die Hoffnung geäußert, dass COPD damit geheilt werden könnte. Wir von COPD Aktuell haben dazu Prof. Dr. Claus F. Vogelmeier, Leiter der Klinik für Pneumologie am Universitätsklinikum Marburg, befragt.

Professor Vogelmeier im Gespräch

COPD Aktuell: Als von Ärzten weltweit anerkannter Lungenfacharzt können Sie sicher am besten beurteilen: Gibt es den Durchbruch und wird COPD bald heilbar sein?

Prof. Vogelmeier: Zunächst müssen wir einmal feststellen, das COPD heute als nicht heilbare Erkrankung gilt. Wir können Symptome lindern und die Verschlechterung des Gesundheitszustandes deutlich verlangsamen. Dazu stehen wirksame Therapien zur Verfügung. Umso wichtiger ist es für die Forschung, das Ziel „Heilung der Patienten“ nicht aus den Augen zu verlieren und weiter „am Ball“ zu bleiben. Aber das Ziel ist noch lange nicht erreicht. Es ist aus meiner Sicht jedoch sehr erfreulich, dass nach wirklichen neuen Ansätzen geforscht wird.

COPD Aktuell: Können Sie den COPD-Patienten denn Hoffnung machen, dass dieses Ziel, auch aufgrund der neuen Forschungsergebnisse, über die berichtet wird, einmal erreicht wird?

Prof. Vogelmeier: Sie spielen auf Ergebnisse aus einer Forschungsgruppe in Gießen an. Hier sind neue Ansätze gefunden worden, die nun wissenschaftlich sehr genau begutachtet werden müssen. Tatsächlich ist man hier noch in einer frühen Phase. Solche – immer noch kleinen – Erfolge, machen natürlich anderen Forschern Mut. Heute ist aber noch nicht zu sagen, ob damit wirklich die ersten Schritte für die Entwicklung von Therapien, die COPD einmal heilen werden, getan wurden.

COPD Aktuell: Das hört sich so an, als ob noch eine lange Entwicklungszeit vor uns liegt?

Prof. Vogelmeier: Genau so kann man es sagen. Es wird noch Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern, bis aus diesen Forschungsergebnissen konkrete Therapien werden, die bei Patienten eingesetzt werden können. Und man kann natürlich auch ein Scheitern nicht ausschließen. Forschen heißt ja, dass man sich auf unbekanntem Gebiet bewegt und manchmal auch Schritte zurückgehen muss. Aber jeder neue Erfolg bringt neue Ideen und weitere Forschungsansätze, die unsere jungen Wissenschaftler dann verfolgen können.

COPD Aktuell: Was können Patienten denn heute tun – denn warten auf die große Lösung wird ja wohl kaum möglich sein?

Prof. Vogelmeier: Richtig – abwarten und nichts tun bzw. auf die schnelle Entwicklung neuer, heilender Therapien zu warten, wäre komplett falsch. Wichtig ist nach wie vor: Rauch-Stopp. Und natürlich regelmäßig Lungensport bzw. körperliche Bewegung. Das sind die ersten Maßnahmen, die Patienten umsetzen können. Dazu gehört dann natürlich auch die konsequente Anwendung der vom jeweiligen Arzt verordneten Medikamente. Wenn die Patienten dies umsetzen, ist schon viel gewonnen! 

COPD Aktuell: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Professor Vogelmeier!

2020/06