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Die Liebe leben: COPD und Sexualität

Erfülltes Liebesleben trotz COPD

Ältere Menschen und chronisch Kranke wie beispielsweise Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) haben kein Verlangen nach körperlicher Nähe? Weit gefehlt! Das ist ein großer Irrglaube, der sich erstaunlicherweise hartnäckig hält. Ergebnisse aus wissenschaftlichen Befragungen belegen nämlich eindeutig das Gegenteil.

Wie eine COPD das Liebesleben beeinflussen kann

Allerdings kann sich eine chronische Lungenkrankheit wie die COPD durchaus auf das Sexualleben auswirken – aus mehreren Gründen.

Stolperstein 1: Eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit

Viele COPD-Patienten besitzen aufgrund ihrer Erkrankung eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit. Die steht sexuellen Aktivitäten grundsätzlich nicht im Wege – erfordert aber vielleicht entsprechend angepasste neue Wege und Varianten (siehe Tipps weiter unten). Eine gute Faustregel dabei: Wenn der Arzt grünes Licht für Lungensport gegeben hat und Sie noch Treppensteigen können, gibt die COPD keinen Anlass, aus gesundheitlichem Grund auf die „schönste Nebensache der Welt“ zu verzichten.

Und andersherum trägt körperliche Bewegung in einer entsprechenden Sportgruppe oder durch regelmäßige Spaziergänge dazu bei, die Leistungsfähigkeit und damit auch die Möglichkeit für leidenschaftliche Momente bestmöglich zu erhalten oder sogar zu verbessern.

Tipp: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt das Thema offen an und bleiben Sie aktiv und in Bewegung!

 
Stolperstein 2: Depressionen und Ängste

Etliche Menschen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung leiden an Depressionen – einer typischen Begleiterkrankung der COPD. Bei Depressionen versiegt häufig das sexuelle Verlangen, so dass das Liebesleben dadurch einschläft.

Erschwerend hinzu kommen möglicherweise Ängste der Betroffenen, beim Liebesspiel zu versagen; bis hin zu einer psychisch bedingten Impotenz.

Oder der gesunde Partner traut sich nicht mehr, entsprechende Signale zu senden oder die Initiative zu ergreifen – aus Sorge, den erkrankten Partner mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen unter Druck zu setzen.

Tipp: Depressionen sind heutzutage gut behandelbar, holen Sie sich kompetente Hilfe schon bei den ersten Anzeichen! Auch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen – für Betroffene und/oder Angehörige – kann hilfreiche Impulse bei der Bewältigung von Ängsten geben.

Stolperstein 3: Medikamente

Auch manche COPD-Medikamente drücken auf die Lustbremse. Bei einer entsprechenden Vermutung, beispielsweise bei neu oder verstärkt auftretenden Libido- oder Potenzproblemen nach einem Medikamentenwechsel oder einem zusätzlich neu hinzugekommenen Präparat, sprechen Sie das Thema beim nächsten Arztbesuch einfach offen an. Möglicherweise gibt es ja eine Arzneimittel-Alternative, die diese Begleiterscheinungen nicht hervorruft.

Tipp: Bestimmte Präparate zur Erhaltung der sexuellen Leistungsfähigkeit eignen sich auch für COPD-Patienten – dafür ist Ihr behandelnder Arzt ebenfalls der erste Ansprechpartner. Bitte keinesfalls auf eigene Faust und ohne ärztliche Rücksprache derartige Medikamente einnehmen!

Sex mal anders

Zunehmende Luftnot und sinkende körperliche Leistungsfähigkeit angesichts einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung verlangen mitunter nach etwas sanfterem Sex. Aber auch der kann ausgesprochen erfüllend sein und sogar neue und bislang unentdeckte Aspekte ins Spiel bringen. Leidenschaft und Hingabe funktionieren durchaus auch ohne Geschlechtsverkehr und Orgasmus. Intensives Kuscheln, Streicheln, Küssen und Petting können manchmal sogar mehr Wärme und Nähe vermitteln als der klassische Beischlaf. Leistungsdenken ist an dieser Stelle auf jeden Fall fehl am Platze und oft sogar kontraproduktiv! Denn eins steht im Vordergrund: Sex soll Spaß machen, und das funktioniert am besten ohne Druck!

Tipp: Machen Sie Sex zum Thema und sprechen Sie mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin über Ihre jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse. Denn nur dann kann sich ein gemeinsames, erfülltes und an die Erkrankung COPD angepasstes Sexualleben entwickeln, mit dem beide zufrieden und glücklich sind. Bei Kommunikationsproblemen helfen Paar- und Sexualtherapeuten weiter.

Körperliche Liebe bei COPD – ganz praxisnah

  • Vermeiden Sie beim Sex Stellungen, die den Brustraum einengen.
  • Überlassen Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin den aktiveren Part, um nicht so schnell außer Atem zu geraten.
  • Timing zählt: Kohlensäurehaltige Getränke und üppige Mahlzeiten vorher besser meiden – idealerweise schon zwei bis drei Stunden zuvor. Auf Alkohol am besten ganz verzichten.
  • Wenn möglich: Sexuelle Aktivitäten an die Medikamenteneinnahme anpassen. Diese entfalten ihre höchste Wirksamkeit üblicherweise rund eine Stunde nach der Einnahme. Vorher eventuell Bedarfsmedikamente (kurz wirksame Substanzen zur Bronchienerweiterung) in Abstimmung mit dem Arzt anwenden oder zumindest bereitstellen.
  • Eine Sauerstofftherapie kann auch während sexueller Aktivitäten erfolgen. Scheuen Sie sich nicht davor: Sie können dann besser atmen, was Ihren Partner/Ihre Partnerin wiederum beruhigt und zu einer entspannteren Stimmung beiträgt.
  • Möglicherweise einen Ventilator aufstellen oder bei entsprechenden Temperaturen ein Fenster öffnen – viele COPD-Patienten empfinden kühle Luft als angenehm.