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Herausforderungen gemeinsam meistern: COPD und Partnerschaft

Ganz ohne Frage: Eine chronische Erkrankung – zu der auch die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zählt – bringt einige Belastungen in die Beziehung. Was jetzt zählt, sind vor allem Verständnis, Vertrauen und Offenheit, um trotz eines mitunter schwer erkrankten Partners ein gemeinsames Leben auf Augenhöhe führen zu können. Das ist sicher nicht immer ganz einfach für beide Seiten, doch ein paar Tipps und Tricks können bei der Umsetzung helfen.

Das Zusammenleben ändert sich

Partnerschaft bei COPD: Schenken Sie sich gegenseitig Kraft und sein Sie füreinander da.

Die Diagnose „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ wirkt sich vor allem im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium auf die Lebensqualität der COPD-Patienten und damit auch auf ihre Lebensplanung und letztendlich ihre Partnerschaft aus. Betroffen sind sowohl das Arbeits- als auch das Privatleben. Viele Erkrankte können nur noch eingeschränkt oder möglicherweise irgendwann auch gar nicht mehr ihrem Beruf nachgehen. Dadurch fehlt einerseits das ursprüngliche Einkommen, andererseits auch eine erfüllende Aufgabe. Soziale Kontakte und gemeinsame Paar-Events wie Urlaube, Kino, Theater, Essengehen und Verabredungen mit Freunden bleiben der Krankheit geschuldet ebenfalls häufig auf der Strecke. All dies betrifft natürlich beide Partner: den Kranken und den Gesunden.

Aufgaben neu ordnen

Durch die zunehmend eingeschränkte körperliche Belastbarkeit von COPD-Patienten landet mehr und mehr auf den Schultern des gesunden Lebenspartners. Es kann helfen, manche Aufgaben ein wenig umzuverteilen. Denn etliche Dinge lassen sich auch ohne körperliche Anstrengungen erledigen; beispielsweise nötige Korrespondenzen, Terminvereinbarungen, das Regeln von Versicherungsangelegenheiten oder die Vorbereitung der Steuererklärung. Vorteil dabei: Die Patienten tragen weiterhin etwas zum gemeinsamen Leben bei.

Und bei körperlich anstrengenderen Projekten wie Gartenarbeiten springt ja vielleicht mal ein Helferteam aus Freunden und Verwandten ein.

Auch Hol- und Bringdienste (Getränke, Lebensmittel, Medikamente sowie Mahlzeiten vom gelegentlichen Pizzaservice bis hin zur Komplett-Versorgung mit „Essen auf Rädern“) erleichtern den Alltag und nehmen dem gesunden Partner etwas Last von den Schultern.

Gemeinsamkeiten im Blick behalten

Schauen Sie nach Aktivitäten, die Sie als Paar zusammen unternehmen können. Viele Sportarten wie Wandern, Walken und Schwimmen oder auch ein abendlicher Gute-Nacht-Spaziergang oder ein Tanzkurs können zur neuen liebgewordenen Gewohnheit werden! Bei fortgeschrittener COPD eignet sich hingegen vor allem Lungensport in speziellen Gruppen. Aber der/die gesunde Partner/in findet ja vielleicht im gleichen Sportverein zu parallelen Zeiten ebenfalls einen interessanten Kurs? Auch gemeinsame Urlaube sind nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt möglich, selbst wenn der COPD-Patient eine Langzeit-Sauerstofftherapie erhält. Informationen dazu finden Sie hier.

Und statt eines Kinobesuchs laden Sie doch einfach mal ein paar Freunde zu einem gemütlichen Filmabend auf dem heimischen „Sofakino“ ein – inklusive frisch zubereitetem Popcorn aus der Mikrowelle.

Die Erkrankung in den Alltag integrieren

Erleichtern Sie sich das Zusammenleben, in dem Sie Ihre Lebensumstände an die chronisch obstruktive Lungenerkrankung anpassen. Denn wer an einer COPD leidet, sollte versuchen, sich seine Selbstständigkeit bestmöglich zu bewahren, um Hilfe des Partners idealerweise nur selten zu benötigen. Das tut nicht nur dem Ego gut, sondern hält auch körperlich in Schwung! Oft sind es ganz kleine Dinge oder Hilfsmittel, die den Umgang mit der Erkrankung erleichtern. Dadurch kann die Eigenständigkeit bewahrt werden und der gesunde Partner entlastet werden. Hier ein paar Beispiele:

Körperpflege/Ankleiden

  • Setzen Sie sich zum Waschen, Zähneputzen, Rasieren, An- und Auskleiden auf einen Hocker
  • Benutzen Sie zum Duschen einen Badehocker und ziehen Sie danach einen Bademantel an, statt sich mit einem Handtuch abzutrocknen
  • Vermeiden Sie einengende Kleidung (Slipper statt Schnürschuhe, Männer: Hosenträger statt Gürtel, Frauen: Strümpfe/Socken statt Strumpfhosen
  • Legen Sie sich die Kleidung für den nächsten Tag schon am Abend zuvor zurecht und kleiden Sie sich in Ruhe im Sitzen an
  • Ein Schuhlöffel erleichtert das Anziehen von Schuhen

Wohnsituation

  • Sofern möglich: Wählen Sie eine ebenerdige Wohnung oder Wohnung mit Fahrstuhl
  • Ideal: Badezimmer mit leicht zu betretender Duschkabine
  • Lage: Eine gute öffentliche Verkehrsanbindung in zentraler Lage und/oder ein nahegelegener Stellplatz fürs Auto
  • Infrastruktur: Geschäfte, Restaurants/Gaststätten und Grünanlagen in unmittelbarer Nähe ermuntern zum „vor die Tür gehen“

Tipps für Partner: Bitte kein schlechtes Gewissen!

Es ist völlig in Ordnung, wenn Sie auch mal etwas ohne Ihren Partner/Ihre Partnerin unternehmen, weil er/sie erkrankungsbedingt vielleicht nicht mitmachen kann! Um Kraft für den Alltag zu sammeln, können und sollten Sie dabei Ihre Akkus wieder etwas aufladen. Speziell, wenn Sie zunehmend Versorgungs- und Pflegeaufgaben für Ihren/Ihre erkrankten Gefährten/Gefährtin mit übernehmen, benötigen Sie kleine Auszeiten zwischendurch für sich allein! Vielleicht mal einen Klönabend mit Freund(inn)en, einen Veranstaltungsbesuch oder eine kleine Wellnessauszeit? Nehmen Sie dies bitte ohne schlechtes Gewissen wahr und erkundigen Sie sich vielleicht auch mal nach Angehörigengruppen von Atemwegspatienten in Ihrer Nähe (Ansprechpartner: beispielsweise die Deutsche Patientenliga Atemwegserkrankungen – DPLA e.V.). Denn der Austausch mit Gleichgesinnten tut gut – nicht nur den Angehörigen von COPD-Betroffenen, sondern dadurch auch der Partnerschaft an sich.