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Im Blick behalten: Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei COPD

Atemnot oder ein Engegefühl in der Brust? Ist es das Herz oder die COPD?

Die Zeiten, in denen Mediziner die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) als reine Krankheit der Atemwege betrachtet haben, gehören längst der Vergangenheit an. Inzwischen steht außer Frage: Eine COPD betrifft den kompletten Organismus und entsprechend häufig leiden die Betroffenen an weiteren Krankheitsbeschwerden – den so genannten Begleiterkrankungen einer COPD, die den Verlauf der Erkrankung wesentlich mitbestimmen. Hierzu gehören insbesondere auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Zahlen & Fakten: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und COPD

  • Über ein Fünftel der COPD-Patienten leidet zusätzlich an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.
  • Wer an einer COPD erkrankt ist, trägt im Vergleich zu Menschen ohne diese Erkrankung ein doppelt so hohes Risiko für Angina pectoris („Herzenge“) und Herzinfarkt und ein dreifach erhöhtes Schlaganfallrisiko.
  • Herz- und Gefäß-Erkrankungen gelten als häufigste Todesursache bei Patienten mit leichter bis mäßiger COPD.

Warum Herz und Gefäße manchmal mehr leiden als die Atemwege

Hinter einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung vermuten Experten Entzündungsprozesse, die – ausgehend von den Atemwegen – den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen. Diese Prozesse machen auch vor den Blutgefäßen nicht Halt und können dort eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung) hervorrufen. Auch Bluthochdruck kommt bei COPD-Patienten weit häufiger vor als bei Gesunden. Beides sind erwiesene Risikofaktoren für verschiedene Herz-Kreislauferkrankungen, beispielsweise:

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Angina pectoris („Herzenge“)
  • Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Herzschwäche durch koronare Herzkrankheit und Bluthochdruck
  • Herzrhythmusstörungen (speziell Vorhofflimmern)

Mehrere Untersuchungen belegen inzwischen, dass COPD-Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko für diese Herz-Kreislauf-Erkrankungen besitzen.

Bei einem schweren Lungenemphysem kann sich auch ein sogenannter Lungenhochdruck entwickeln, bei dem sich das Herz durch die überblähte Lunge nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann.

Oft unterschätzt!

Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Zusammenhang mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung wurden lange unterschätzt – denn sie beginnen oft schleichend und verursachen ähnliche Symptome wie eine COPD, zum Beispiel Atemnot oder ein Engegefühl in der Brust. Inzwischen hat sich aber der deutliche Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen mehr und mehr herumgesprochen, nicht zuletzt aufgrund neuerer Studienergebnisse.

Diese zeigen unter anderem, wie sehr akute Krankheitsverschlechterungen (Exazerbationen) das Herz belasten und dadurch beispielsweise das Infarktrisiko während der akuten Phase verdoppeln können.

Wandel in der Diagnostik

Diese Erkenntnisse spiegeln sich auch in den Untersuchungen wieder, die Sie als COPD-Patient erhalten. Bei Exazerbationen wird Ihr Arzt möglicherweise ein EKG oder einen Bluttest veranlassen – und das ist auch gut so! Denn anhand der Ergebnisse lässt sich das Herz-Kreislauf-Risiko besser einschätzen und frühzeitig mindern.

Herz-Kreislauf-Risiken im Auge behalten

Zur Senkung Ihres persönlichen Herz-Kreislauf-Risikos können Sie als COPD-Patient auch selbst eine ganze Menge beitragen:

  • Verzicht aufs Rauchen
  • Regelmäßige Blutdruckkontrolle (z. B. in Ihrer Apotheke)
  • Normalgewicht anstreben
  • Körperliche Bewegung mehrmals pro Woche (z. B. in Lungensportgruppen, flotte Spaziergänge)
  • Ausgewogene gesunde Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist (z. B. Lachs, Makrele, Walnüsse, Rapsöl)