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Mehrgleisig bei COPD – Neues in der pneumologischen Reha

Speziell bei Patienten mit einer fortgeschrittenen chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) verspricht eine ambulante oder stationäre Reha-Maßnahme nachgewiesenermaßen positive Effekte auf den weiteren Krankheitsverlauf. Aber auch schon in einem frühen Krankheitsstadium erweist sich dieses Konzept als ausgesprochen hilfreich. Das bestätigt auch die neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Atemwegsliga, die ihre Empfehlungen nun frisch aktualisiert haben und dabei nochmals die Wichtigkeit solch einer Maßnahme betonen. Zudem gab es auch Neuerungen in puncto Reha.

Atemwegs-Reha bei COPD – was ist das?

Für COPD-Patienten ist eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining wichtig.

Reha-Programme bieten Patienten mit Atemwegserkrankungen wie der COPD ein strukturiertes, genau auf die Zielgruppe und auch den jeweils einzelnen Patienten zugeschnittenes Behandlungsprogramm in speziellen Kliniken oder Einrichtungen. Dies zielt vor allem darauf ab, die Beschwerden von COPD-Patienten zu lindern, ihre Lebensqualität zu verbessern und die körperliche und psychische Alltagsbewältigung zu erleichtern. Weitere Ziele sind die körperliche Belastbarkeit, Ausdauer und maximale Sauerstoffaufnahme zu steigern.

Das Reha-Programm enthält dafür verschiedene Bestandteile, die sich in ihrer Wirkung ideal ergänzen. Dafür arbeitet ein ganzes Team von Fachkräften zusammen – beispielsweise Ärzte, Physiotherapeuten, Ernährungsfachkräfte, Ergotherapeuten, Sozialberater, Sportlehrer und noch viele mehr.

Wie gut dieses wissenschaftlich untermauerte Reha-Programm den Betroffenen hilft, haben zahlreiche Studien gezeigt. Das gilt sowohl für stationäre Reha-Maßnahmen in einer Klinik als auch für ambulante und wohnortnahe Angebote. Bei der ambulanten Reha können Sie, als COPD-Patient, tagsüber einige Stunden in einem speziellen Reha-Zentrum verbringen. Es ist auch möglich, dass Sie einige Leistungen wohnortnah wahrnehmen können.

Lieber ambulant oder stationär?

Welche Form der Reha bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung sich für Sie als Patient am besten eignet, besprechen Sie optimalerweise mit Ihrem behandelnden Arzt. Manchen Patienten tut es gut, einmal ein paar Wochen aus dem häuslichem Umfeld herauszukommen, andere möchten die eigenen vier Wände nur ungern länger verlassen oder können es aus verschiedensten Gründen vielleicht auch nicht. Bei der Entscheidung spielt natürlich auch Ihr Gesundheitszustand eine Rolle.

Aktuelle Empfehlungen zur Reha-Dauer und zur Zielgruppe

Egal ob ambulant oder stationär - mindestens drei, idealerweise aber sechs Wochen sollten die Reha-Maßnahmen dauern. Diese konkreten Zeitangaben haben die Experten 2018 neu in ihre Leitlinien-Empfehlungen aufgenommen.

Die Rehabilitationsmaßnahmen richten sich nun an alle COPD-Patienten, die sich durch ihre Erkrankung beeinträchtigt fühlen. Früher orientierte sich die Empfehlung eher am Schweregrad der Erkrankung (Schweregrad II bis IV) oder Patienten mit einer akuten Krankheitsverschlechterung (Exazerbation). Auch Raucher profitieren davon, vor allem dann, wenn sie an den angebotenen Entwöhnungsprogrammen teilnehmen.

Außerdem bestimmen – nach wie vor – noch weitere Faktoren die Auswahl für eine Reha, beispielsweise eine Gefährdung der Erwerbstätigkeit, den Alltag betreffende psychosoziale Folgen (z. B. soziale Isolation, Depressionen) oder drohende Pflegebedürftigkeit.

Was passiert in der pneumologischen Reha?

Verschiedene Themen machen die Inhalte der pneumologichen Rehabilitation bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung aus. Im Zentrum stehen dabei:

eingeschränkte Lungenfunktion

  • bestmögliche Wiederherstellung/Erhöhung der körperlichen Belastbarkeit
  • Bewältigung der krankheitsbedingten sozialen Isolation
  • Behandlung einer etwaigen psychischer Probleme/Störungen (speziell Depressionen)
  • Therapie von Muskelschwund und Gewichtsverlust.

Dementsprechend beinhaltet der Behandlungsplan während einer Reha für COPD-Patienten auch unterschiedliche Einheiten. Zu denen gehören vor allem:

  • Optimierung der medikamentösen Therapie
  • Tabakentwöhnung
  • Körperliches Training
  • Patientenschulung
  • Atemphysiotherapie / Ergotherapie
  • Ernährungsberatung
  • Hilfsmittelversorgung
  • Soziale Betreuung
  • Psychosoziale Beratung und Therapie.

Besser leben dank Reha

Dieses Maßnahmenpaket zielt vor allem darauf ab, COPD-Patienten auf verschiedenen Ebenen das Leben leichter zu machen. Wie gut dies funktioniert, zeigen die Ergebnisse zahlreicher Auswertungen.

Nach der Teilnahme an einer Rehabilitationsmaßnahme:

  • leiden COPD-Patienten seltener unter Atemnot
  • verfügen über eine bessere Lebensqualität und gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit
  • müssen wegen ihrer Erkrankung seltener und kürzer ins Krankenhaus
  • erholen sich schneller nach einem Krankenhausaufenthalt aufgrund einer plötzlichen Krankheitsverschlechterung (Exazerbation)
  • haben im Zusammenhang mit ihrer Krankheit weniger Ängste und Depressionen
  • besitzen eine bessere Krankheitsprognose.

Mitmachen und dranbleiben

Für den Erfolg ist vor allem eins wichtig: Die Motivation der Reha-Teilnehmer, bei dem Programm engagiert mitzumachen! Denn nur dann können Sie als Patient das Beste für sich herausholen. Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen!

Wie es danach weitergeht, ist allerdings mindestens genauso wichtig.

Unser Tipp: Bleiben Sie am Ball und übertragen Sie das Gelernte in Ihren Alltag. In Bewegung bleiben Sie beispielsweise in einer Lungensportgruppe oder mit einem im Tagesplan fest verankerten täglichen Spaziergang. Und Selbsthilfegruppen ermöglichen den Kontakt und Austausch mit Gleichgesinnten.