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Risikofaktor Arbeitsplatz

Wenn Sie bei der Arbeit giftige oder organische Stäube einatmen bzw. regelmäßig reizenden Gasen wie Ozon, Schwefeldioxid, Chlor oder Ammoniak ausgesetzt sind, kann das auf Dauer der Lunge schaden. Solche regelmäßigen Belastungen, etwa im Bau und Bergbau, bei der Getreideverladung oder beim Schweißen, erhöhen das Risiko für eine COPD oder andere Lungenerkrankungen.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie widmet sich in ihren neuen Leitlinien auch den berufsbedingten Ursachen von chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen. Die Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem hat ein eigenes Kapitel zum Thema COPD als Berufserkrankung. Ärzte werden darin aufgefordert, bei jedem COPD-Patienten mögliche Belastungen am Arbeitsplatz zu erfragen.

Berufserkrankung

Berufsbedingte COPD – was muss ich tun?

Falls Ihr Arzt nicht danach fragt und Sie den Verdacht haben, dass Ihr Beruf oder Ihr Arbeitsplatz das Fortschreiten der COPD begünstigt oder verursacht, sollten Sie dem nachgehen. Suchen Sie Rat bei einem Facharzt für Pneumologie oder einem Arbeitsmediziner. Oder wenden Sie sich direkt an die gesetzliche Unfallversicherung. Diese prüft, ob eine Berufskrankheit vorliegt. In diesem Fall haben Betroffene Anspruch auf Leistungen der Unfallkasse. Unter anderem besteht auch Anspruch auf Geldleistungen, falls die Berufstätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben werden muss. Ein Video der Unfallkasse klärt weiter auf.

Definition Berufskrankheit

Nach §9 Abs. 1 SGB VII sind Berufskrankheiten definiert als Krankheiten, die

  • die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates als Berufskrankheiten bezeichnet und in der Berufskrankheitenliste aufführt.
  • nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht sind, denen bestimmte Personengruppen durch ihre versicherte Tätigkeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind.

 

In Deutschland sind Ärzte und Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, den Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit an die Berufsgenossenschaft oder die Unfallkasse zu melden.

Allerdings werden nicht alle Erkrankungen, die aus medizinischer Sicht arbeitsbedingt sind, zwangsläufig auch als Berufskrankheit anerkannt. Denn die Beweislage ist schwierig, wenn – wie bei der COPD – auch andere Schadstoffe auf die Lunge einwirken, etwa Zigarettenrauch.

Bergbau, Landwirtschaft oder Metallverarbeitung – belastende Arbeitsplätze gibt es in vielen Branchen

Reizende oder giftig wirkenden Gase, Dämpfe und Stäube kommen an zahlreichen Arbeitsplätzen vor. Hierzu zählen insbesondere folgende Tätigkeiten:

  • Bergbau (Kohle, Quarz)
  • Tunnelbau
  • Metallschmelzprozesse
  • Koksofenarbeiter
  • Arbeiten mit Asphalt, Zement oder Cadmium
  • Schweißer
  • Berufliche Exposition gegenüber Passivrauch (Gastronomie) oder Dieselmotorabgase
  • Landwirtschaft (Stalleinstreu, Futtermittel, Getreidekörner, Mineraldünger, Desinfektionsmittel, Pestizide)
  • Textilindustrie
  • Arbeiten mit Flachs, Jute oder in der Getreideverladung (u. a. mit Endotoxinexposition)
  • Arbeiten mit Exposition gegenüber Holzstäuben (Hartholz)
  • Arbeiten mit Exposition gegenüber irritativ wirkenden Gasen wie Ozon, Schwefeldioxid, Chlor, Ammoniak, Alkohol, Formaldehyd

Folgende chronisch obstruktive Lungenerkrankungen sind in der Berufskrankheiten-Verordnung aufgeführt:

BK 4302: Durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können.

BK 1315: Erkrankungen durch Isocyanate, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können.

BK 4111: Chronisch obstruktive Bronchitis oder Emphysem von Bergleuten unter Tage im Steinkohlebergbau bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von in der Regel 100 Feinstaubjahren [(mg/m3) x Jahre].